Nach langer Zeit mal wieder eine Kurzgeschichte von mir, die mir an einem verregneten Tag eingefallen ist. Viel Spaß beim Lesen.
Es war ein verregneter Dienstagvormittag als wir ankamen. Wir, die Studenten, und Professor Braun.
Auf der Glasfront des Computermuseums konnte man grauschwarze Wolken vorbeiziehen sehen, die mit rascher Geschwindigkeit über den Himmel gleiteten. Der Wind fuhr mir durch das Haar und ich fror, trotz des Parkas, den ich beinahe im ICE vergessen hätte.
Professor Braun ging unbekümmert von all dem vor uns her; neben ihm sein Assistent König. König war im Gegensatz zu Professor Braun ein hagerer Typ, etwa Mitte dreißig mit ausgeprägten Geheimratsecken im kurzen schwarzen Haar. Auf dem Oberkopf von Braun zeichnete sich scharf eine Glatze im kastanienbraunen mit Silberstreifen durchzogenen, verbliebenen Haar ab. Ich schätzte den Professor auf etwa fünfzig. Er pflegte penibel seinen Oberlippenbart. Weder stand ein einzelnes Haar über, noch ein sonstiger Makel, der die vollendete Symmetrie zerstören könnte, entstellte den Professor.
Korrektheit und nichts anderes verlangte er von sich und den anderen ab. Daher war auch dieser Besuch des Computermuseums keine Freizeitveranstaltung, sondern ein vor Wochen angekündigter Pflichttermin.
Im Foyer schritt Professor Braun zwei weiße Stufen empor und ließ einen flüchtigen Blick über unsere Gruppe wandern.
„Bevor einer von Ihnen fragt, ob der Inhalt dieser Exkursion Relevanz für die Klausur besitze, kürze ich das mal ab: Gehen Sie einfach davon aus, dass dem so ist.“
Niemand hätte auch etwas anderes erwartet. Bei seiner Klausurplanung machte Braun keine Kompromisse. Wenn eine Aufgabe mit Assembler zu lösen sei, so führte an der Maschinensprache kein Weg vorbei.
Auf dem Programm stand eine Führung mit Erläuterungen zu ausgewählten Exponaten. Danach war eine Pause eingeplant, in der man selbst durch die Ausstellung gehen konnte. Zum Abschluss würde Braun noch einen Vortrag halten.
Draußen regnete es und der Wind peitschte die Regentropfen gegen die Fensterscheiben. Das Geräusch der mal stärker, mal schwächer trommelten Regentropfen füllte meine Gehörgänge aus und verdrängte im Kopf jeden Gedanken. Stille.
Einem Impuls folgend, setzte ich mich mit den anderen in Bewegung. Links und rechts öffneten sich Räume mit technischen Apparaturen, die ich teils nur aus den Augenwinkeln wahrnahm. Andere aus der Gruppe reckten im Vorbeigehen die Köpfe.
„Sie haben nachher noch Gelegenheit die anderen Exponate der Ausstellung zu betrachten“, tönte die raue Stimme Professor Brauns, bevor wir die erste Station der Führung erreichten. Im Halbkreis scharrten wir uns um ein metallisches Gestell, das mich für einen kurzen Moment an die Modelleisenbahn meines Großvaters erinnerte. Unweit vom Aufbau entfernt, befand sich eine großformatige Schwarzweißfotografie von Konrad Zuse. Zuses Z3 stand vor uns, den man durchaus als den Urahn aller modernen Computer betrachten konnte. Die Führung begann mit der Beschreibung der technischen Details. Umstehende Kommilitonen griffen hastig zu ihren Blöcken, um die gesprochenen Worte mit schwarzer, blauer und sogar grüner Tinte zu bannen. Diese Szene würde sich heute noch einige Male wiederholen.
Weiter ging es zu einem Modell des Illiacs, der im wahrsten Sinne des Wortes ein Großrechner war. Ich betrachtete mir einige Aufnahmen des echten Illiacs auf einer Tafel. Illiac wirkte wie ein überdimensionierter Kleiderschrank, der mehr als zwei Mann hoch war. Um solch eine Rechenmaschine zu bedienen, waren mehrere Menschen vonnöten, die Einstellungen vornahmen und die Daten einspeisten. Klobig waren sie alle, die alten Computer.
Auch wenn ich nicht die Jahreszahlen im Kopf hatte, erschien mir die Führung in chronologischer Reihenfolge abzulaufen. Die Rechenmaschinen wurden immer kleiner und ihre Rechenleistung wuchs beständig. Integrierte Schaltkreise verdrängten die Relaisschaltungen der ersten Computer.





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